Die Kelly Family feierte am Stars Of Sounds Murten

The Kelly Family Murten

Schon früh morgens seien die ersten Fans am Gelände angestanden und warteten auf den Einlass. Als wir die Strasse Richtung Festivalgeläde hinunter gingen, hörten wir schon von weitem die ersten Klänge und Stimmen der Familienband. Das gab trotz warmer Temperaturen ein Bisschen Gänsehaut. Ich erinnerte mich gleich wieder an Winterthur 1997, als ich damals Richtung Stadion lief und Patricia singen hörte. Das müsste damals das letzte Kelly Family Openair bei uns in der Schweiz gewesen sein. Und obwohl ich die Kelly Family auf ihrer Comeback-Tour bereits letztes Jahr und nun zu letzt im März im Hallenstadion gesehen habe, stieg die Aufregung und Vorfreude sofort an. Nach ihren Comeback-Shows in Dortmund und der erfolgreichen, meist komplett ausverkauften Arenatour, machten sie nun Halt im wunderschönen Murten und feierten mit den Fans am Stars Of Sounds. Was für eine tolle Überraschung diese Ankündigung war.

Zugegeben in der ganzen Vorfreude auf die irische Familie hätte man fast etwas vergessen können, dass da noch weitere Bands auftraten. Während sich die hardgesottenen Fans ihre Plätze gesichert hatten, schlenderte der Grossteil der Zuschauer langsam aufs Gelände, verpflegte sich erstmal oder deckte sich mit Merchandise ein und liess die Beine noch etwas in den See baumeln. Für die beiden Vorbands war es vielleicht nicht die leichteste Aufgabe, sich vor den eingefleischten Kelly Fans zu beweisen.

Wurden wir vor Türöffnung noch Klitschnass, hatten sich die dunklen Wolken zum Glück kurz danach mehrheitlich verzogen und es entwickelte sich zu einem anenehmen, lauen Sommerabend.

Solothurner Band eröffnet Festival in Murten

Die fünfköpfige Solothurner Band rund um das Duo Sandy und Joey eröffneten das Stars Of Sounds in Murten. Sie heizten dem Publikum mit einem Mix aus Rock, Folk und Punk sowie der kräftigen Rockerstimme von Sängerin Sandy schon mal ein. Ihre aktuelle Single „Haunted Girl“ konnte man vorab auch bereits bei Radio32 hören. 

San Joes Stars Of Sounds Murten

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Eliane verzauberte Murten

Nach einer kurzen Umbaupause folgte Eliane. Die grössten Schweizer Talente Siegerin der 2012 Staffel erinnerte sich, wie sie früher selber auch die Songs der Kellys geträllert hatte. Was musste das für sie ein tolles Gefühl sein, vor der berühmten Kelly Family an so einem schönen Festival auftreten zu dürfen?!

Nach einem kurzen Intro starteten Eliane und ihre Band mit „Flawless” das rund 45 minütige Konzert. Zurzeit mit ihrem neuen 4. Album „Slow Motion“ auf Tour stellte sie nicht nur ihre neuen Titel wie „I got it all“, „Bittersweet“ oder „Suddenly breathing“ vor. Natürlich durfte der eine oder andere ältere Song wie „Like The Water“ ab ihrem Debüt nicht fehlen.

Eliane schwebte an ihrer ersten Festivalshow in einem luftigen, roten Sommerkleid über den Laufsteg und begeisterte mit ihrer zauberhaften Stimme das Murtener Publikum. Übers ganze Gesicht strahlend begleitete sie sich am Piano oder stellte stolz ihren Gitarristen Walter vor. Mit ihm sang sie „Breath and let it go“ in einem tollen Duett.

Eliane Stars Of Sounds Murten

Eliane Stars Of Sounds Murten

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Langersehntes Schweizer Openair

Kurz vor Konzertstart hatte ich noch SRF3 Hitparademann Michel Birri angetroffen. Als bekennender Kelly Family-Fan durfte er Michel Birri Murtennatürlich nicht fehlen. Durch ihn wurde die Band dann auch angekündigt. Er dankte seiner Mama dafür, dass sie ihn und seine Schwester damals mit an die Kelly Konzerte mitgenommen hatte.

Endlich, endlich um 21 Uhr donnert und blitzt es auf der Bühne. Das Intro startete. Angelo setzte sich hinter die Drums. Die restlichen Geschwister und die zusätzlichen Musiker machten sich bereit. Während Patricia über die Bühne tanzte, legte Jimmy mit dem mitreissenden „Thunder“ los. Oh my, wie lange hatte ich diesen Song nicht mehr live gehört? Grossartig! Eine andere Setlist, als die sie während der Arenatour spielten, zeichnete sich damit ab. Jubel ging durchs Publikum, Hände schossen in die Höhe. Flaggen und Leuchtstäbe wurden geschwenkt. Die langjährigen Fans sangen natürlich auch nach all den Jahren sofort wieder Wort für Wort mit.

Die Stimmung am 1. Stars Of Sounds Festivaltag in Murten war relaxt, aber trotzdem ausgelassen. Man konnte sich angeblich sogar teils kurz vor Showstart noch einen Platz in den vordersten Reihen ergattern. Durch die vielen freudig strahlenden Gesichter, die man im Publikum bei gross und klein vorfand, wurde der eine oder andere doch auch mal ziemlich emotional. Eltern, die damals Teenies waren, waren nun mit ihren eigenen Kids ans Konzert gekommen. Oma und Opa waren auch dabei. Fans vom In- und Ausland sind angereist. Viele hatten Jahre darauf gewartet, ihre Lieblingsband endlich wieder zusammen auf einer Bühne zu sehen.

Hit um Hit 

Auf der riesen Leinwand im Hintergrund erschien ein Zeitungstitelblatt und Patricia kam nach vorn, um ihr „No Lies“ zum Besten zu geben. In ihrem hübschen Schottenkleid und dem rosa Blumenkranz wurde sie angestrahlt und umjubelt, während sie den Laufsteg rauf und runter ging. Am Ende des Songs überliess sie die Bühne ihrem jüngsten Bruder Angelo. Der mittlerweile fünffache Familienvater ging mit dem selbstgeschriebenen Kelly Hit „I can’t help myself“ aus dem Jahr 1996 zum nächsten Stück über. Da kam sofort so viel Nostalgie wieder auf.

Das schöne nach den Dortmund Konzerten und Zürich im März: Bereits nach den ersten Songs war ich mir sicher, dass die Soundqualität an diesem Openair stimmte. Da waren keine knackenden Boxen und kein Widerhallen oder Überschlagen. Klar und deutlich konnte ich die Stimmen hören und die Texte verstehen. Nur einmal schien Kathys Mikro kurz ausgefallen zu sein und wurde in Windeseile gewechselt. Das war aber kaum der Rede wert.

Die älteste der Kelly Schwester schritt in ihrem wallenden, violetten Kleid nach vorn und spielte ihr “Comeback to me” am Akkordeon. Darauf schnappte sich Joey den Mikroständer, stellte sich an den Bühnenrand, griff ordentlich in die Saiten und rockte zu „Why Why Why“ so richtig los. Joey war immer der Rocker der Familie gewesen und dafür lieben ihn die Fans. In den ersten Reihen wurde es durch die in die Höhe schiessenden Feuerfontänen immer wieder ganz schön heiss. Man fühlte die wärme bis ziemlich weit hinten. Auch wenn er es immer etwas Bescheiden abtut: Man sieht Joey an, dass er dabei gerne einen drauf haut. “Joey hält sich für AC/DC” lachte auch sein Bruder Jimmy irgendwann während dem Konzert.

John war an der Reihe und Schritt mit Gitarre und Korbhut an die Laufstegspitze, um “Imagine” zu spielen. Gerne animierte er die Fans mit ihm mitzusingen, bevor mit Patricia’s “First Time” bereits ein nächster Kelly Hit folgte. Was für schönes Wetter, schwärmte sie, genoss den Blick auf den See und liess zu den sanften Flötentönen ihren Emotionen freien Lauf.

We Got Love

Die ersten Gitarrenriffs erklangen und mein Herz schlug etwas höher. “Key To My Heart” folgte. Kannte man den Song früher mit dem Leadstimme von Mädchenschwarm Paddy, der wie Maite nicht Teil der Comeback-Tour ist, hatte Joey nun nochmals eine Chance um die Bühne zu rocken. Auf den Rocksong folgte der 1996er Hit “Fell in Love with an alien”, dessen Gesangsparts auch neu an verschiedene Geschwister aufgeteilt wurden. Auch das Schweizer Publikum weiss heute noch, wann es wo die Arme hochreissen und mitklatschen soll.

Nach Kathy’s spanisch angehauchten “Fahter’s Nose”, ein Lied, das sie damals für ihren Sohn geschrieben hatte, schritt John ans Laufstegenede. Unsicher, in welcher Sprache er denn bei uns in der Schweiz nun am Besten sprach, richtete er seinen Dank einfach in Englisch ans Publikum. John bedankte sich fürs kommen. Es sei eine Ehre für sie da spielen zu dürfen und doch ein Wunder, dass sie immer noch da seien. Mit den Worten, im Grunde sind wir im Herzen doch alle gleich und es ist so möglich, dass wir “eins” sind, startete er die wunderschöne Ballade “Red Shoes”.

Sein Bruder Jimmy appellierte darauf an die Liebe und liess die Kamera während “We Got Love” aufs Publikum richten. Wer sich auf dem Bildschirm entdecke, solle doch etwas Liebe verschenken – ob man diejenige Person nebenan nun kannte oder nicht. Es ging indessen etwas verrückt zu und her und man vergass wirklich fast, dass die Kellys ja auch noch da wären. So konzentriert war man auf die Leinwand und die Leute, die darauf gezeigt wurden. Manche reagierten schüchtern und zurückhalten. Die einen waren überrascht und die anderen freudig und überschwänglich. Es gab während des Liedes immer wieder etwas zu schmunzeln.

Singt weiter

Herzhaft lachte das Publikum auch im darauffolgenden Konzertteil. Paul leitete das Street Set mit einem Drehleihersolo ein. In der Zwischenzeit stellten sich die Geschwister nebeneinander auf. Während sie alle zusammen alte Songs wie “The Rose”, “Let My People Go” und “Let It Be” spielten, erfasste die Kamera ein kleines Mädchen, das unsicher in die Kamera grinste und winkte. Einfach Zucker die Reaktion der Kleinen! Es waren so viele Kinder anwesend. Die einen sassen hoch oben auf den Schultern der Eltern. Die anderen lugten neugierig über die Absperrung hinweg.

Ungefähr über die Hälfte der Konzertzeit rüber, fragte ich mich schon, ob die Kellys denn anders als während der Arena Tour, hier keine Pause machen würden. Die Band startete nämlich mit “When The Boys Come Into Town” eine kleine Fiesta und dabei schien keine Unterbrechung in Sicht. Es tanzten dabei sogar die Zuschauer ganz hinten auf der Sitzplatztribüne mit. Da kam der Moment, in dem Kathy’s Mikro ausgetauscht werden musste. Das Publikum übernahm aber einfach kurzerhand ihren Part.

“Keep On Singing” – singt weiter –  heisst der Leitsatz der Kelly Family, den Angelo fürs neue Album “We Got Love” als neuen Song beigesteuert hat. Das Versprechen an die Mama haben sie gehalten und nach vielen Solo-Konzerten nun nach Jahren sogar wieder als Familie zusammen gefunden. Kurz vor Ende des Liedes setzte sich Angelo dann wieder an sein Schlagzeug und ging in sein wildes Solo über. Erst animierte er das Publikum mitzumachen. Dann liess er es nochmals richtig krachen – mit fliegenden Haaren und einem Flammen/Pyro Inferno zum Abschluss.

Für einen Moment wurde es wieder etwas ruhiger, als Patricia und Jimmy zusammen zu “Please Don’t Go” im Duett über den Laufsteg tanzten. Es hielt aber nicht lange an, denn gleich im Anschluss heulte Joey zu “The Wolf” auf und seine Fans taten es ihm gleich. Es wurde richtig heiss als am Ende wieder Flammen in die Höhe schossen.

Jimmy schritt schliesslich erneut mit Gitarre über den Laufsteg und wahrscheinlich erwartetn viele bereits sein “Cover The Road”. Doch aufgrund aktueller Geschehnisse widmete er indessen das Irische Volkslied “Lassie go” dem langjährigen Fan,  Freund und mehrfachen Familienvater Ulli. Er war erst kürzlich verstorben. Jimmy hat diese spezielle, einfühlsame Art, wie er Erlebnisse und solche Geschehnisse unglaublich berührend erzählt.

Das Kelly Fieber hält an

Das Publikum jubelte als die Kellys ihren Überhit “An Angel” anstimmten. Manche holten dazu Feuerzeuge hervor und liessen ihre Handylichter schwenken. Leicht im Wind flackernd leuchteten die Feuerzeuge auch während Kathy am Akkorden das irische Folkslied “Only OUr Rivers Run Free” spielte. So richtig Irisch wurde es aber dann beim “Irish Jig”, zu dem Patricia und Joey zusammen tanzten. Mit “Wearing Of The Green” legte dann auch ich meine Tasche ab, um mich richtig frei und ausgelassen zu ihrer Musik bewegen zu können.

Sämtliche Hände schossen automatisch zu jedem “Woah” vom darauffolgenden “Good Neighbour” in die Höhe. Die Zuschauer lachten und tanzten, bevor das schon mindestens 2,5 Stunden dauernde Konzert mit Jimmy’s Hit “Nanana” zu ende ging. Aber die Kellys wären nicht die Kellys, würden nicht noch genügend Zugaben folgen. Alle nahmen sich an die Hände und schwenkten die Arme zu “Take My Hand”.

John schritt danach erneut auf den Laufsteg und es folgte mit “Who’ll come with me” einer der allerersten Hits der damaligen Kelly Kids. Damals, als Mama und Papa mit ihnen auf Tour waren. So wurde auf der Leinwand Johnny als Teeniestar, als auch Bilder der viel zu früh verstorbenen Eltern gezeigt. Mit Patricia’s “Brothers and Sisters”, ein Lied, das die Geschichte der Kelly Family über all die Jahre zusammenfasst, verabschiedeten sich die Band aber endgültig. Der ganz verschwitzte Angelo sprang zum Abschluss sogar noch in den Graben und umarmte dankbar seine Fans in der ersten Reihe. Patricia und Joey folgten ihm, schüttelten Hände, verteilten Umarmungen und machten auch noch das eine oder andere schnelle Selfie. 

Naja, ob das nun das allerletzte Kelly Family Konzert in der Schweiz gewesen ist? Man weiss es nicht. Die Festivaltour dauert noch bis in den August an. Dann feiern die Kellys mit zwei Konzerten ihren Tourabschluss und ein lang ersehnter Traum wird nicht nur für mich in Erfüllung gehen: The Kelly Family live at Loreley. Ob danach die Geschwister nur wieder solo auf Tour gehen oder doch irgendwan wieder zusammen, wissen sie vielleicht selbst noch nicht so genau.

Wer aber nicht ganz auf die Kellys verzichten möchte: Angelo kommt im Dezember mit seiner eigenen kleinen Familie für zwei Konzerte in die Schweiz. Ausserdem sind Paddy und Maite, die auf der Comebacktour fehlen, jeweils für Solo Konzerte am Summerstage Basel resp. Flumserberg Openair und Schupfart Festival.

Das Kelly Fieber hält also an – so oder so 🙂   

 

Infos zum Festival findet ihr auf www.starsofsounds.ch

Infos zu den Bands:

www.thesanjoes.ch
elianemusic.com
www.kellyfamily.de:

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